Ein Perchtoldsdorfer Winzer lässt seine Weine über Bergkristalle und Smaragde aus den Hohen Tauern fließen. Das Ergebnis könne man schmecken, meint ein Experte

STEIN & WEIN

von Ernst Mauritz

Gasbrenner zählen eigentlich nicht zur Grundausstattung von Winzern. Bei Leopold Wurth ist das anders: Der Heurigenwirt aus Perchtoldsdorf, NÖ (bekannt als "Tiger-Wurth" - sein Großvater besaß einen Hengst der Rasse Tiger) ist auch ein engagierter Mineraloge. "Diese Brenner benötigen wir, um in Permafrost-Bereichen in mehr als 3000 Metern Höhe das Eis aufzutauen und an die Kristalle zu gelangen." Jetzt hat Wurth seine beiden Leidenschaften vereinen können - mit den ersten Kristallweinen Österreichs.

"Mehr als zwei Jahre habe ich experimentiert, das Verfahren ist bereits patentiert", so Wurth, dessen Familie seit 1769 in Perchtoldsdorf Weinbau betreibt. Der Wein kommt mit Bergkristallen oder Smaragden (siehe Kasten unten) in Kontakt - zum Teil im Fass, zum Teil vor der Abfüllung. Wann genau und wie lange ist ein Geheimnis: "Das hängt auch vom Zustand des Weines ab."

Der Önologe (Weinexperte) Gerhard Schubert hat während des Weinausbaus regelmäßig Proben gezogen, verkostet und Vergleiche durchgeführt: Wie schmeckt ein und derselbe Wein ohne und mit Kristallbehandlung?

HARMONISCH "Es gibt Unterschiede, die auch für Laien bemerkbar sind", so Schubert: "Mit Kristallbehandlung sind die Aromen prägnanter, sie können intensiver wahrgenommen werden."

Ein Wein, der "etwas saurer und unharmonischer geschmeckt hat" war nach der Behandlung "harmonischer, ausgeglichener. Die Säurekomponente war in die Gesamtharmonie eingebunden." Und das vielleicht wichtigste, so Schubert: "Es gibt Menschen, die aus verschiedenen Gründen - etwa wegen der Säure - Wein nicht gut vertragen. Bisherige Beobachtungen zeigten aber, dass gerade für diese Menschen der Kristallwein auch verträglicher ist."

Schubert konnte die Unterschiede bei allen Sorten feststellen: "Es sind aber noch weitere Untersuchungen notwendig. Wir haben den ersten Jahrgang hinter uns. Jetzt beobachten wir, ob der Effekt bei der Lagerung erhalten bleibt." Wurth erklärt die Wirkung mit "der Energie der Kristalle", die auf den Wein übertragen werde.

"Es gibt seriöse Erfahrungsberichte, wonach etwa Wasser, das mit Kristallen in Berührung kam, positive Wirkungen auf den Körper hat und von vielen Menschen als sehr wohltuend empfunden wird", sagt die Ärztin Susanne Schunder-Tatzber von der Wiener Internationalen Akademie für Ganzheitsmedizin: "Schulmedizinische Beweise dafür gibt es aber noch nicht." Dies bedeute aber nicht, dass diese Wirkungen nicht vorhanden seien: "Auf diesem Gebiet wird kaum geforscht, dafür fehlt das Geld."

Wurth sucht seit 25 Jahren in den Hohen Tauern Kristalle: "Unsere Vorfahren haben sich durch Erfahrung ein umfangreiches Wissen über natürliche Vorgänge erworben, das zum Teil verloren gegangen ist. Doch dieses Wissen ist eine gute Ergänzung zur Schulmedizin - und die 20 Millionen Jahre alten, natürlich gewachsenen Kristalle aus den Alpen bergen viele Geheimnisse, die es wert sind, entdeckt zu werden."

INFORMATION

Die Weine sind bei Leopold Wurth erhältlich. Preise auf Anfrage. Perchtoldsdorf, Walzengasse 31, 0699 / 1 869 03 22. Der traditionelle Heurige ist wieder vom 28.2. bis 21.3. und vom 10.4. bis 2.5. geöffnet

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